KI-Content und GoogleGoogle straft KI-Inhalte nicht ab. Es verlangt aber eine Prüfung, die kaum jemand leistet.
Am 1. Oktober 2026 hat Google seinen Leitfaden zu KI-generierten Inhalten überarbeitet. Zwei Erzählungen kursieren seither: „Google verschärft die KI-Regeln“ und „Google ist es egal, wie Inhalte entstehen“. Der Leitfaden selbst stützt keine von beiden. Er zieht die Grenze an einer anderen Stelle — beim Wert jeder einzelnen Seite, bei einer Prüfpflicht, die bis in Title-Tags und Alt-Texte reicht, und bei Kennzeichnungsregeln im E-Commerce, die erstaunlich wenige kennen.
Der Leitfaden unterscheidet nicht nach Werkzeug, sondern nach Wert pro Seite — und macht die Prüfung zur Pflicht, die ein Modell nicht für sich selbst übernehmen kann.
Straft Google KI-generierte Inhalte ab?
Nein. Der Leitfaden von Google behandelt generative KI als Werkzeug, nicht als Verstoß. Er beginnt mit dem Nutzen: KI könne bei der Recherche helfen und dabei, Originalinhalte zu strukturieren. Die Einschränkung folgt im selben Absatz: „using generative AI tools or other similar tools to generate many pages without adding value for users may violate“ die Spam-Richtlinie zu massenhaft erstellten Inhalten.
Die Grenze verläuft also nicht zwischen menschlich und maschinell geschriebenen Texten, sondern zwischen Seiten, die einem Leser etwas geben, und Seiten, die nur in Masse erzeugt wurden, um Rankings zu beeinflussen. Beide gängigen Erzählungen scheitern an diesem Wortlaut: Wer „Google straft KI ab“ sagt, widerspricht dem ersten Absatz; wer „Google ist es egal“ sagt, ignoriert den Rest des Dokuments.
Wo verläuft die Grenze: Was ist Scaled Content Abuse?
Scaled Content Abuse liegt vor, wenn viele Seiten vor allem erzeugt werden, um Suchrankings zu manipulieren und nicht, um Nutzern zu helfen. So definiert es die Spam-Richtlinie der Google-Suche, und sie ergänzt, die Praxis ziele typischerweise auf große Mengen unoriginaler Inhalte mit kaum Nutzwert ab — „no matter how it's created“. Auf die Erstellungsart kommt es nach diesem Satz ausdrücklich nicht an.
Google nennt in der Richtlinie fünf Beispiele. Drei davon zeigen, dass KI nur eine von mehreren Möglichkeiten ist, die Grenze zu überschreiten:
| Beispiel laut Spam-Richtlinie | Was es für die Praxis heißt |
|---|---|
| Generative KI nutzen, um viele Seiten ohne Mehrwert für Nutzer zu erzeugen | Maßstab ist der Mehrwert je Seite, nicht der Einsatz des Werkzeugs |
| Inhalte aus Feeds oder Suchergebnissen abgreifen und automatisiert umformen (Synonymisieren, Übersetzen) | Auch Übersetzungsfabriken und Umschreib-Skripte fallen darunter — mit oder ohne KI |
| Inhalte verschiedener Seiten zusammenfügen, ohne Mehrwert hinzuzufügen | Eine KI-Zusammenfassung fremder Quellen ohne eigene Einordnung ist genau das |
Die Richtlinie sagt nichts über eine Mindestzahl von Seiten oder ein Verhältnis von KI- zu Handarbeit. Wer daraus Schwellenwerte ableitet, erfindet sie.
Was verlangt Google vor der Veröffentlichung von KI-Inhalten?
Eine manuelle Prüfung auf Richtigkeit und Vertrauenswürdigkeit — und zwar für alles, was die Seite nach außen beschreibt, nicht nur für den Fließtext. Im Leitfaden heißt es: „It is critical to manually factcheck and review all AI-generated content for accuracy and trustworthiness before publishing.“ Die Begründung liefert Google gleich mit: Generative Modelle rufen keine Fakten ab, sondern sagen eine wahrscheinliche Wortfolge voraus; deshalb können Ausgaben Ungenauigkeiten enthalten, sogenannte Halluzinationen.
Der Geltungsbereich der Prüfung ist weiter, als die meisten Arbeitsabläufe es abbilden. Sie gilt laut Leitfaden auch für:
- Title-Elemente und Meta-Descriptions — also genau die Texte, die in vielen Agenturen am Ende per Skript in Serie erzeugt werden. Wie diese Elemente überhaupt wirken, ordnet unser Beitrag zu Meta-Tags für SEO ein.
- Strukturierte Daten, die zusätzlich den allgemeinen Richtlinien und den Vorgaben der jeweiligen Suchfunktion entsprechen und validiert werden müssen.
- Alt-Texte von Bildern — das Thema unseres Beitrags zu Bilder-SEO.
Das ist der Teil des Leitfadens, der ein Geschäftsmodell trifft: Wer KI-Texte „unlimitiert“ und ohne redaktionelle Stufe verkauft, verkauft etwas, das Google in der eigenen Dokumentation als unzureichend beschreibt. Das gilt in die Gegenrichtung genauso: Ein pauschales KI-Verbot ist durch den Leitfaden nicht gedeckt.
Was ist am 1. Oktober 2026 neu — und was stand schon vorher drin?
Belegt ist der heutige Wortlaut und Googles eigene Begründung der Änderung; was exakt hinzukam, lässt sich aus Primärquellen nicht abrufen. Im Changelog der Search Central steht zum 1. Oktober 2026: „Updated the using generative AI content guide with information from the Search Quality Raters guidelines.“ Als Grund nennt Google, die Dokumentation mit den Vorträgen auf den eigenen Entwicklerveranstaltungen in Einklang zu bringen.
Die Vorversion der Seite haben wir nicht aus erster Hand vergleichen können. Fachmedien beschreiben übereinstimmend, dass die Sätze zur Wortvorhersage, zu Halluzinationen und zur Formulierung „critical“ neu sind und die Prüfpflicht seither ausdrücklich auch für Metadaten gilt. Schon vorher vorhanden waren demnach die Warnung vor Scaled Content Abuse, der Abschnitt zum Kontext für Leser, die Regeln für Merchant-Center-Daten und der Verweis auf die Rater-Richtlinien. Wir behandeln das als Fundstand, nicht als Beleg.
Zum Verweis auf die Rater-Richtlinien gehört eine Klarstellung, die in der Berichterstattung oft fehlt:
- Der Leitfaden nennt die Abschnitte 4.6.5 (Scaled Content Abuse) und 4.6.6 der Search Quality Rater Guidelines. In der von uns eingesehenen Fassung vom 11. September 2025 trägt 4.6.6 den Titel „MC Created with Little to No Effort, Little to No Originality, and Little to No Added Value for Website Visitors“ — „MC“ steht für Hauptinhalt.
- Google schreibt selbst, die Guidelines seien keine Anleitung für Rankings und die Bewertungen der Rater beeinflussten das Ranking nicht direkt.
Die Rater-Richtlinien zeigen, wie Google Qualität beurteilen lässt. Sie sind kein Ranking-Regelwerk, an dem sich Seiten ausrichten lassen.
Hat das September-Spam-Update KI-Content getroffen?
Dafür gibt es keinen Beleg. Das Search Status Dashboard führt das „September 2026 spam update“ mit Start am 24. September 2026 und einer Dauer von 13 Tagen und 16 Stunden; es endete damit Anfang Oktober und damit wenige Tage nach dem Leitfaden-Update. Einen Beschreibungstext, der KI-Inhalte nennt, enthält der Eintrag nicht.
Der zeitliche Zusammenhang lädt zu Schlüssen ein, die sich nicht belegen lassen. Gemeinsam ist beiden Meldungen nur der Begriff Scaled Content Abuse, auf den sich auch die Spam-Richtlinie bezieht. Wer nach dem Update Sichtbarkeitsverluste sieht, sollte die Ursache an den Seiten selbst suchen — Mehrwert, Dopplungen, Massenerzeugung — und nicht am Werkzeug.
Muss KI-Einsatz gekennzeichnet werden?
Für Leser ist es eine Empfehlung, für Bilder und Produktdaten im Merchant Center eine Vorgabe. Allgemein schreibt Google: „Sharing information about how a piece of content was created can help give your readers more context.“ Eine Pflicht zur Kennzeichnung auf der Seite leitet sich daraus nicht ab.
Verbindlich wird es im E-Commerce:
- KI-generierte Bilder müssen Metadaten mit dem IPTC-Wert
DigitalSourceTypein der AusprägungTrainedAlgorithmicMediaenthalten. - KI-generierte Produktdaten wie Titel und Beschreibung sind getrennt anzugeben und als KI-generiert zu kennzeichnen.
Wer Produktfeeds mit KI anreichert und das nicht kennzeichnet, verstößt damit gegen eine konkrete, in der Dokumentation benannte Regel — unabhängig davon, wie gut die Texte sind.
Was Sie jetzt konkret tun sollten
Beste Option: Legen Sie für jeden KI-gestützten Inhalt eine Prüfstufe fest, die ein Mensch verantwortet, und dokumentieren Sie sie. Die Stufe gilt für den Text und für alles, was ihn nach außen beschreibt. Das lässt sich in wenigen Zeilen als Arbeitsanweisung fassen:
| Prüfpunkt | Frage |
|---|---|
| Mehrwert je Seite | Beantwortet die Seite eine Frage besser oder konkreter als das, was es schon gibt — oder wiederholt sie es? |
| Fakten | Ist jede Zahl, jeder Name, jede Rechtsaussage gegen eine Primärquelle geprüft? |
| Metadaten | Sind Title, Description, strukturierte Daten und Alt-Texte gelesen und freigegeben — nicht nur generiert? |
| Verantwortung | Ist ein Autor oder eine Redaktion benannt, die für den Inhalt einsteht? |
| Kennzeichnung | Bei Shops: Tragen KI-Bilder den IPTC-Wert, sind KI-Produktdaten als solche markiert? |
Pragmatische Alternative, wenn der Bestand zu groß für eine Vollprüfung ist: Beginnen Sie mit den Seiten, die Anfragen bringen, und mit allen in Serie erzeugten Metadaten. Dort ist das Risiko am höchsten und die Prüfung am schnellsten erledigt.
Konkreter nächster Schritt: Ziehen Sie eine Stichprobe von zehn Seiten, die ganz oder teilweise mit KI entstanden sind, und prüfen Sie sie gegen die fünf Punkte. Wie viele bestehen, sagt Ihnen mehr über Ihr Risiko als jede Update-Meldung.
Wie Inhalte so aufgebaut werden, dass sie in Suche und in KI-Antworten als Quelle taugen, beschreibt Generative Engine Optimization; ob die Konvention llms.txt dabei etwas bewirkt, ist eine eigene Frage — sie ist ein Vorschlag aus der Branche, kein Signal von Google. Ein verwandtes Beispiel dafür, wie Google eine Taktik an ihrem Zweck statt an ihrer Technik misst, ist die Richtlinie zum Missbrauch des Websiterufs.
Gut zu wissen.
Straft Google KI-generierte Inhalte ab?
Nein. Der Google-Leitfaden zu generativer KI nennt KI ausdrücklich als nützliches Werkzeug. Ein Verstoß kann vorliegen, wenn viele Seiten ohne Mehrwert für Nutzer erzeugt werden, denn das fällt unter Scaled Content Abuse. Maßstab ist der Mehrwert je Seite, nicht das Werkzeug.
Was ist Scaled Content Abuse?
Scaled Content Abuse liegt vor, wenn viele Seiten vor allem erzeugt werden, um Suchrankings zu manipulieren statt Nutzern zu helfen. Nach der Spam-Richtlinie von Google spielt es keine Rolle, wie die Inhalte erstellt werden: Genannt werden generative KI, automatisiertes Umformen abgegriffener Inhalte und das Zusammenfügen fremder Seiten ohne Mehrwert.
Muss ich KI-generierte Inhalte vor der Veröffentlichung prüfen?
Ja. Google bezeichnet es als kritisch, KI-generierte Inhalte manuell auf Richtigkeit und Vertrauenswürdigkeit zu prüfen. Die Prüfung gilt laut Leitfaden auch für Title-Elemente, Meta-Descriptions, strukturierte Daten und Alt-Texte.
Muss ich KI-Einsatz auf meiner Website kennzeichnen?
Allgemein nicht verbindlich: Google empfiehlt, Lesern Informationen zur Erstellung eines Inhalts zu geben, damit sie mehr Kontext haben. Für das Merchant Center gelten feste Regeln: KI-generierte Bilder brauchen den IPTC-Wert DigitalSourceType TrainedAlgorithmicMedia, KI-generierte Produktdaten sind separat anzugeben und als KI-generiert zu kennzeichnen.
Was ändert die Aktualisierung vom 1. Oktober 2026?
Laut Changelog wurde der Leitfaden um Informationen aus den Search Quality Rater Guidelines ergänzt, um die Dokumentation mit den Vorträgen auf Googles Entwicklerveranstaltungen abzugleichen. Fachmedien beschreiben als neu vor allem die Begründung der Prüfpflicht und ihre ausdrückliche Ausweitung auf Metadaten. Einen Vergleich mit der Vorversion aus Primärquellen gibt es nicht.
Beeinflussen die Search Quality Rater Guidelines mein Ranking?
Nicht direkt. Google schreibt im Leitfaden, die Rater-Richtlinien seien keine Anleitung für Rankings und die Bewertungen der Rater beeinflussten das Ranking nicht direkt. Sie zeigen, nach welchen Maßstäben Google die Qualität seiner Systeme beurteilen lässt.
Hat das September-Spam-Update 2026 KI-Content getroffen?
Dafür gibt es keinen Beleg. Das Search Status Dashboard führt das Update mit Start am 24. September 2026 und einer Dauer von 13 Tagen und 16 Stunden, ohne Beschreibung zu KI-Inhalten. Der Zusammenhang zum Leitfaden-Update ist zeitlich, nicht belegt.
Wie wir Inhalte mit KI-Unterstützung produzieren, prüfen und als Quelle aufbauen, steht unter SEO & KI-Sichtbarkeit.
Belege & Quellen.
- Leitfaden der Google Suche zur Verwendung von KI-generierten Inhalten auf Ihrer Website (Stand 01.10.2026) — Google Search Central
- Spam-Richtlinien für die Google Websuche (Scaled Content Abuse) — Google Search Central
- Dokumentations-Updates der Google Search Central (Eintrag 01.10.2026) — Google Search Central
- September 2026 spam update — Google Search Status Dashboard
- General Guidelines (Search Quality Rater Guidelines), Stand 11. September 2025, Abschnitte 4.6.5 und 4.6.6 — Google
Alle Online-Quellen abgerufen am 12. Oktober 2026.

Marc Schumacher
Marc Schumacher baut seit 2000 Websites und arbeitet seit über 20 Jahren im Onlinemarketing. Dreieinhalb Jahre hat er als Google Search Quality Rater Websites nach Googles Qualitätskriterien bewertet, zwei Jahre als SISTRIX-Experte mit Agenturen und Unternehmen gearbeitet. Heute führt er Neowulf Digitalmarketing — selektiv, gründlich und KI-gestützt.
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